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Historischer Verein Wegberg e.V.

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> Arbeitsgebiete > Archäologie > Archäologie LVR-ABR > Tag der Archäologie > TdA 2026 - Fotobericht

Samstag, 19.09.2026 - Titz-Höllen
Tag der Archäologie 2026 des LVR-ABR
Sa. 19.09.2026 - Tag der Archäologie des LVR-Amtes
für Bodendenkmalpflege in der Außenstelle Titz
Bericht von Hermann-Josef Heinen / HVW
Die Außenstelle des LVR-ABR hatte zum Tag der Archäologie am Sa. 19.09.2026 eingeladen und konnte wieder einen spannenden Einblick in ihre Arbeit geben. Die Mitarbeiter*innen präsentierten in einer eigenen Ausstellung archäologische Highlights der letzten zwei Jahre.
Bei herrlichem spätsommerlichem Wetter konnten Dr. Robin Peters und seine Mitarbeiter*innen den zahlreichen Besucher*innen spannende Ergebnisse der aktuellen Ausgrabungen und Forschungen im rheinischen Braunkohlenrevier präsentieren.
In der Außenstelle Titz war eine Auswahl von archäologischen Highlights der letzten beiden zwei Jahre zu sehen, sowie die Präsentation von Forschungsprojekten der Uni Köln zu Funden aus dem Vorfeld der Tagebaue.
Das Highlight war die Führung durch Prof. Dr. Bernd Päffgen von der Uni München durch die Ausgrabung eines mittelalterlichen Rittersitzes.
Wie immer war auch für das leibliche Wohl in Form von kühlen Getränken und Pizza aus dem hauseigenen Pizza-Ofen und römischem Gulasch aus der Historischen Küche gesorgt.
Ein vielfältiges Mitmachprogramm für die ganze Familie ergänzte die Veranstaltung.
Das Programm beinhaltete, wie in den Jahren zuvor, einen Grabungsbesuch mit einem kostenlosen Pendelbus.
Ausgrabung eines mittelalterlichen Rittersitzes beim Tagebau Hambach
Die diesjährige Besichtigung führte zu einer Ausgrabung der Ludwig-Maximilians-Universität München in einem der niedergelegten Orte im Vorfeld des Tagebaus Hambach. Dort wird der Standort eines mittelalterlichen Rittersitzes ergraben, der seit dem 14. Jh. dem Kölner Antoniter-Orden zuzuordnen ist. Ziel der Maßnahme ist vor allem die Klärung der historischen Entwicklung des Ortes Manheim.
Lage des Antoniterhofes (Markierung 2) in Kerpen-Manheim
Als frühe Teilnehmer der ersten Pendelbusfahrt am Samstag kamen wir in den Genuss einer Führung durch Prof. Dr. Bernd Päffgen von der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Prof. Dr. Bernd Päffgen vor den Info-Tafeln zur Geschichte der Kölner Antoniter in Kerpen und Umgebung
Seine umfangreichen Ausführungen konnte man anschließend auch auf den Info-Tafeln nachlesen, die die Studierenden der LMU München zusammengestellt hatten.
Hier einige Auszüge:
Unter Papst Bonifaz VIII. (reg. 1294-1303) wurden die Antoniter 1297 zu einem zentralistisch aufgebauten Orden mit dem Generalabt im Mutterkloster Saint-Antoine an der Spitze umganisiert. Die Antoniusbrüder hießen als regulierte Augustiner-Chorherren nun "Canonici monasterii sancti Antonii Viennensis". Ihr Gewand war ein schwarzes Chorkleid, darüber ein schwarzer Mantel mit hellblauem Antoniuskreuz. In Köln wurde 1298 die Niederlassung der Sackbrüder an der Schildergasse zu-
gewiesen. Das Kölner Antoniterkloster wurde bedeutend. Besondere Verehrung genoss der HI. Antonius der Einsiedler, von dem man in Köln eine Arm- und Bartreliquie besaß. Ab 1350 entstand ein Neubau der Kölner Klosterkirche.
Durch Schenkungen und Käufe erwarben die Kölner Antoniter verschiedene Höfe in der Umgebung. Die Landwirtschaft diente der Eigenversorgung von Kloster und Höfen, aber auch für den Unterhalt der Spitäler und die Krankenpflege. Die Antoniter hatten das Privileg der freien Schweineweide (das sogenannte „Antoniusschwein“ mit Glöckchen am Halsband), zudem durften sie in Stadt und Land ungehindert Almosen
sammeln.
Das 14. Jh. war eine besondere Blütezeit für die Antoniter. Ende des 15. Jhs. unterhielten die Antoniter 372 Hospitäler in denen etwa 4.000 bis 5.000 Menschen betreut wurden. Man behandelte das „Antoniusfeuer“, die weit verbreitete Mutterkornvergiftung, die durch verunreinigtes Mehl entstand, aber auch Geschlechtskrankheiten.
Seit dem 15. Jh. waren die Höfe nicht mehr von den Antonitern selbst bewirtschaftet, sondern an sogenannte Klosterhalfen verpachtet. Zuvor organisierten 1-3 Antoniter einen solchen Gutshof selbst, der überwiegend von Laienbrüdern bearbeitet wurde.
Einen besonderen Besitzschwerpunkt gab es in und um Kerpen.
Hier erwarben die Kölner Antoniter gezielt Höfe mit insgesamt weit über 3000 Morgen Land: zunächst Manheim (1378), dann Seelrath (1383), Kerpen (1387), Oberbolheim (vor 1390) und zuletzt noch Niederbolheim (1481).
Einzig die Pfarrkirche bleibt als einziges Gebäude des Ortes Manheims erhalten.

Ausstellung der archäologischen Highlights der letzten beiden Jahre
Das auffallendste Objekt der Ausstellung im Innenhof der Außenstelle Titz:
der dort ausschnittsweise wieder aufgebaute Steinbrunnen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr.
Wie Dr. Robin Peters bereits beim Pressegespräch erläutert hatte, diente der Steinbrunnen den Menschen auf einem Gutshof bei Kerpen-Manheim zur Versorgung mit Wasser. Das Besondere: Der 18 Meter tiefe Brunnen bestand aus Steinblöcken, die mit circa 40 Tonnen ein beeindruckendes Gesamtgewicht aufweisen. Da der Brunnen im Braunkohlenrevier bis auf seine Sohle untersucht werden konnte, also bis auf seinen Boden, können die Archäolog*innen des LVR-ABR seine Bau- und Nutzungsgeschichte detailliert rekonstruieren.
Bergung des römischen Brunnens auf einem eigens von der RWE Power AG angelegten Zwischenniveau Foto: Marcel Zanjani / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege
Das Inschriftfragment eines römischen Grabmals und weitere Architekturfragmente aus Alt-Inden
Im Herbst 2025 wurden der Außenstelle Titz durch RWE-Mitarbeiter mehrere römische Architekturfragmente gemeldet. Die ungewöhnlichen Funde wurden im Tagebaubetrieb Inden in der Nähe der Förderbandanlage gemacht.
Bei drei der Steine handelt es sich um Sockelprofile, die teilweise mit floralen Motiven verziert, zu einem oder zwei römischen Grabmalen, vermutlich sog. Grabpfeilern gehörten und in das 2 .- 3. Jahrhundert datieren.
Besonders interessant ist ein vierter, langrechteckiger Block der Reste einer Inschrift trägt, die sich ursprünglich über mehrere Blöcke erstreckte.
Ein weiteres Highlight: ein Inschriftenstein und weitere tonnenschwere Bauteile eines großen römischen Grabmals

"Sweet Sixteen" und weitere Highlights in der Ausstellungshalle
In der Ausstellungshalle wurde in einer Vitrine eine Auswahl an speziellen Funden unter dem Titel "Sweet Sixteen" präsentiert, die von Frau Tünde Kaszab-Olschewski vorgestellt und erläutert wurden.
Bei Ausgrabungen im Vorfeld des Tagebaus Hambach wurden in Kerpen-Manheim-Alt außerhalb des bereits bekannten Hofgeländes ein Bestattungsplatz entdeckt. In einem der Brandgräber hatten sich offenbar alle Beigaben erhalten. Die außergewöhnlich reiche Ausstattung wurde in Blöcken geborgen und erst später in der Restaurierungswerkstatt des LVR-Landesmuseums Bonn freigelegt.
Die anthropologische Untersuchung des geborgenen Leichenbrandes ergab ein Alter von etwa 16 Jahren. Als Teil des Kleidungszubehörs bzw. Schmucks lagen neben Glasperlen auch unterschiedliche Fibeln, z. T. mit Emailverzierung vor, außerdem ein Bronzeanhänger mit Hasenjagddarstellung.
Andere Fundstücke - vom Cremebehälter über das Parfümfläschchen bis zur Schminkpalette - stehen stellvertretend für die Schönheitsrituale einer gepflegten Frau. Mit den Resten eines Holzkästchen für die Aufbewahrung des persönlichen Besitzes ließ sich ferner das Geschlecht der Bestatteten ebenfalls als weiblich unterstreichen.
Des Weiteren weist die Terrakottafigur einer Göttin (Diana-Luna), mit Mondsichel auf den Kopf, auf die weibliche Sphäre hin.
Ein hellblauer, extrem dünnwandiger Glaskrug mit Glasfadenauflage zeugt von der hohen Glaskunst des 3. Jh. n.Chr.
Wie auch in den Vorjahren hatte das LVR-ABR ihre Räume zur Verfügung gestellt, in denen Forschenden und Doktoranten ihre Projekte vorstellen konnten, die durch die Stiftung der Förderung der Archäologie im rheinischen Braunkohlenrevier gefördert werden.
Archäologische Forschungsprojekte
Rund 20 Teilnehmende, u.a. von der Universität zu Köln und der Ruhr-Universität Bochum nahmen die Gelegenheit wahr und konnten so ihre interessanten Arbeiten präsentieren.
Auf großes Interesse stieß ein Stand der Universität zu Köln mit dem Projekt "Stärkeresteanalysen an neolithischen Reib- und Mahlsteinen aus Siedlungen im rheinischen Braunkohlenrevier". Das Projekt lieferte einzigartige Erkenntnisse über die Ernährung vor tausenden von Jahren.
Bereits beim Pressegespräch am 15.0.2026 hatte Dr. Daniela Holst ihre Arbeitsweise demonstriert und Ergebnisse der Analysen vorgestellt.
Wie Dr. Daniela Holst eindrucksvoll zeigen konnte, haben sich auf den verwendeten Steinplatten Mikroreste der verarbeiteten Mahlzeiten erhalten. Mikroskopische Analysen von Stärkekörnern können so Aufschluss über die Vielfalt genutzter Pflanzen und Pflanzenteile geben und füllen eine Forschungslücke, da die Pflanzenreste selber meist nicht erhalten sind. Daniela Holst konnte so belegen, dass die Ernährung der Ackerbauern keineswegs eintönig auf Getreideprodukte beschränkt war.
Mit "Bestattungsgemeinschaften und Ritualpraxis eines eisenzeitlichen Gräberfeldes im rheinischen Braunkohlerevier" (so der Titel ihrer Masterarbeit) hatte sich Katharina Fröhlich, M.A. vom Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum befasst. Grundlage bildeten 169 Bestattungen aus einem Gräberfeld bei Inden-Pier.
Die Untersuchungen ergaben einen Bestattungszeitraum von der späten Urnenfelderzeit bis kurz vor der Ankunft der Römer. Es ließen sich mehrere bekannte eisenzeitliche Kulturgruppen ermitteln, wobei sich die Sonderrolle des niederrheinischen Beckens als eine interkulturelle Kontaktzone der verschiedenen Kulturen zeigt.
Das dritte hier vorgestellte Projekt befasst sich mit der villa rustica, dem römischen Landgut bei Borschemich, das zwischen 2013 und 2017 unter der Leitung von Dr. Alfred Schuler ausgegraben wurde (FR 152).
Wie Ines Ristow M.A. in ihrem Dissertationsvorhaben "Villa Rustica und Kultbezirk" schreibt, zählt die Hofanlage zu den größten bislang bekannten villae rusticae im Rheinland. Neben der Größe zeichnet sie sich durch außergewöhnliche Funde aus. Für besonderes Aufsehen sorgte der Fund eines der am reichsten ausgestatteten Frauengräber innerhalb Niedergermaniens. Die kostbaren Beigaben lassen darauf schließen, dass die Verstorbene eine Priesterin gewesen sein könnte.
Neben den üblichen Gebäuden innerhalb einer villa rustica befand sich in der Mitte der Hofanlage ein Bereich, der als Kultplatz diente. Sein Ursprung geht wahrscheinlich auf ein Baumheiligtum zurück, das mindestens über drei Jahrhunderte genutzt wurde, was die besondere religiöse Bedeutung dieses Ortes unterstreicht.
> Lesen Sie hierzu auch den Bericht über die Grabung, die beim Tag der Archäologie 2014 am 30.08.2014 vorgestellt wurde und deren Bedeutung im Jahre 2023 bei der Ausstellung "Archäologie im Rheinland 2022" nochmals besonders herausgestellt wurde.

Rahmenprogramm
Ein vielfältiges Mitmachprogramm für die ganze Familie ergänzte die Veranstaltung.
Im Freigelände bietet die Außenstelle Titz eine Rheinland einzigartige eisenzeitliche Hofanlage mit strohgedeckten Häusern. Hier konnte man alte Handwerkstechniken und das Leben auf einem Bauernhof rund 800 bis 500 Jahre v. Chr. nachempfinden.

.. and last but not least:
Wie immer war auch für das leibliche Wohl in Form von kühlen Getränken, Kaffee und Kuchen sowie Pizza aus dem hauseigenen Pizza-Ofen und römischem Gulasch aus der Historischen Küche gesorgt.

Quellen:
> Ausführungen von Dr. Robin Peters beim Pressegespräch am 15.09.2026 sowie die Info-Tafeln des LVR-ABR in der Außenstelle Titz
> Führung durch Prof. Dr. Bernd Päffgen zur Ausgrabung des Rittersitzes bei Manheim sowie die Info-Tafeln der Studierenden der Uni Köln
> Erläuterungen zu den Forschungsprojekten der Universitäten zu Köln und der Ruhr-Universität Buchem sowie die Info-Tafeln der Studierenden
Fotos:
falls nicht anderweitig angegeben: Hermann-Josef Heinen / HVW


Historischer Verein Wegberg e.V. - 15.09.2026 - Letzte Änderung: 01.10.2026

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