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Panorama-Aufnahme Wegberg mit Burg Wegberg, Forum, Wegberger Mühle, Rathaus und Pfarrkirche St. Peter & Paul, Foto: Heinen
Gliederung:
Wegberger Ortsteile > Rath-Anhoven
Auf der Suche nach weiteren Verlegeorten der Fliesentableaus "St.Georg" und "Papstwappen"
Vorwort
Vielen Dank, dass Sie auch diese Seite aufgerufen haben. Sie zeigt die Ergebnisse der Suche nach weiteren Verlegeorten der Mettlacher Mosaik-Platten und Fliesentableaus in Kirchen in Deutschland.
Ausgangspunkt der Recherche war die "Entdeckung" von zwei recht seltenen Fliesentableaus der damaligen "Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch in Mettlach".
> Lesen Sie hierzu: Mettlacher Mosaik-Platten und die Fiesentableaus "St. Georg" und "Papstwappen" in der Kirche St. Rochus in Rath-Anhoven
Hermann-Josef Heinen
Fliesentableau "Päpstliches Wappen"", Villeroy & Boch,
Fotos (2): Hermann-Josef Heinen, Okt. 2011
Fotos (2): Hermann-Josef Heinen, Okt. 2011
Fliesentableau "St. Georg im Kampf mit dem Drachen", Villeroy & Boch
s.a.: Unterwegs in Wegberg, Ausgabe 1/2011
s.a.: Unterwegs in Wegberg, Ausgabe 1/2011
Mosaik-Platten und Fliesentableaus in Deutschland
- Verlegeorte der Fliesentableaus "St. Georg" und "Papstwappen"
In seiner ausführlichen Beschreibung der "Geschichte der Fliese" führt Wilhelm Joliet drei Kirchen in Deutschland auf, in denen die Tableaus "St. Georg" (No. 516) und das "Papstwappen" (No. 517) und verlegt worden sind.
- die Liebfrauenkirche in Dortmund
- die Pfarrkirche St. Gudula in Rhede und
- in der Sankt-Anna-Kapelle in Haltern am See.
Bis zum April 2023 waren Herrn Joliet die Fliesentablaus in der Kirche St. Rochus in Rath-Anhoven nicht bekannt.
> Siehe hierzu im Folgenden meine Recherchen, meist auch vor Ort.
Liebfrauenkirche in Dortmund
Mettlacher Bildplatten in der Liebfrauenkirche in Dortmund
Die beiden von Philipp Baum entworfenen Fliesen-Tableaus "St. Georg" und das "päpstliche Wappen" wurden durch die Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch anlässlich des Goldenen Priesterjubiläums von Papst Leo XIII am 31. Dezember 1887 hergestellt und sind erstmals in der Liebfrauenkirche in Dortmund verlegt worden.
Quellen & weitere Informationen: > Die Geschichte der Liebfrauenkirche Dortmund
Die Kirche wurde von 1881 bis 1883 nach dem Entwurf des renommierten Wiener Architekten Friederich von Schmidt erbaut.
Allerdings sind die beiden Motive nicht mehr vorhanden. Das Kirchenschiff wurde während des Zweiten Weltkriegs, besonders in der Bombennacht zum 5. Mai 1943, stark beschädigt und die Fliesen-Tableaus wurden hierbei zerstört.
Das Kirchengebäude wurde zwischenzeitlich teilprofanisiert und wird seit 2009 als Grabeskirche Liebfrauen genutzt.
Laut einer ersten telefonischen Auskunft im Jahre 2023 von Frau Strotmeier von der Grabeskirche Liebfrauen könnten noch einige wenige Reste der Mettlacher Platten vorhanden sein. Diese konnte ich Pfingsten 2025 in der linken ehemaligen Seitenkapelle, jetzt ohne Altar, entdecken. (siehe rote Markierung auf dem Grundriss der Grabeskirche)
Blick von Eingang in das Kirchenschiff der heutigen Grabeskirche Liebfrauen
Die linke Seitenkapelle mit den Resten der ursprünglichen Fliesenbodens
Der kleine Rest der nach dem Bodenangriff auf Dortmund zwar beschädigten, aber noch verwendbaren Bodenplatten mit den typischen Motiven der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch Mettlach
Fotos: Hermann-Josef Heinen, Pfingsten 2025
Fotos: Hermann-Josef Heinen, Pfingsten 2025
Annaberg-Kapelle bei Haltern am See
Mettlacher Mosaikplatten in der Annaberg-Kapelle in Haltern am See
Die Wallfahrtskapelle in Haltern auf dem Annaberg ist der hl. Anna Selbdritt gewidmet und gehört zur Pfarrei St. Sixtus Haltern am See.
Die Annaberg-Kapelle bei Haltern am See
Blick in den Chorraum mit dem Hochaltar
Die Wallfahrtskapelle in Haltern auf dem Annaberg gehört zur Pfarrei St. Sixtus Haltern am See. Sie ist der Heiligen Anna Selbdritt gewidmet. Die schon 1378 als St. Anna Selbdritt erwähnte Kapelle ist seit 1556 Ziel von Wallfahrten. Die heutige schlichte Kapelle wurde 1674 als Saalkirche mit eingezogenem Altarraum erbaut. Auf der rechten Seite des Kirchenschiffes steht sich in einer verschlossenen Nische das Gnadenbild der Heiligen Anna Selbdritt, eine Holzschnitzerei aus dem 15. Jahrhundert(Foto: Pfarrei St. Sixtus)





Am Ende des Mittelganges befindet sich der Zelebrationsaltar, ein gußeiserner Tisch, der fest im Boden eingelassen ist. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man darunter das Fliesen-Tableau "Päpstliches Wappen" aus Mettlach.
Das "Päpstliche Wappen" am Originalverlegeort und dank des schützenden Zelebrationsaltars in einem ausgezeichneten Zustand
Das "Päpstliche Wappen" unter dem Zelebrationsalter, aufgenommen in planer Ansicht mit "erhellender" Unterstützung der Küsterin der Annaberg-Kapelle Christine Nestola.
Im Übergang vom Kirchenschiff zum Chor findet sich ein Fliesenband mit einem weiteren typischen Tiermotiv von Villeroy & Boch: der Hirsch als Bezwinger des Bösen, eingerahmt mit den Mettlacher Platten No. 266.
Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Im Chor unmittelbar vor der Kommunionbank findet sich das zweite Fliesentableau aus Mettlach: Der Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen.
Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Sankt-Anna-Kapelle bei Haltern am See
Das Tableau "St. Georg" besteht aus einem mehrteiligen Fliesenbild. Das innere Bildmotiv setzt sich wiederum aus 16 Bildfliesen zusammen, je 17 x 17 cm, insgesamt also 68 x 68 cm groß. Es zeigt St. Georg als Ritter auf einem Pferd im Kampf mit dem Drachen.
Umrandet ist das Fliesenbild mit weiteren 16 rechteckigen Platten (17 x 8,5 cm) sowie mit vier quadratischen Fliesen (8,5 x 8,5 cm) an den Ecken des Motivs.
Umlaufende ist ein lateinischer Text zu lesen:
Dies ergibt zusammengefügt (mit Ergänzungen in Kleinbuchstaben):
GEORGIUS . FIDEL issi MuS MILES . XRI . OFELIX . ET . INCLITUS . DomiNI. PROELIATOR
dt.: Georg, getreuer Soldat Chrisiti, glücklicher und berühmter Krieger des Herrn
Sankt Georg (lateinisch: Georgius) ist ein legendärer christlicher Heiliger. Er erlitt gemäß Überlieferung unter Diokletian (284-305) ein Martyrium. Sankt Georg zählt zu den vierzehn Nothelfern. Seine Attribute, sind seine Darstellung als Ritter mit Lanze und der von ihm getötete Drache.
Zur Hervorhebung gegenüber dem restlichen Fliesenboden ist das Tableau mit auswendig ornamierten Flesen der Mosaikfabrik Mettach eingerahmt.
Ein weiteres, eher seltenes Fliesen-Motiv aus Mettlach findet sich gleich mehrfach im Kirchenschiff.
Fotos von und aus der Annaberg-Kapelle, mit Ausnahme des Gnadenbildes von Hermann-Josef Heinen
St.Gudula in Rhede
Mettlacher Mosaikplatten in der Pfarrkirche St. Gudula in Rhede
Laut Wilhelm Joliets "Geschichte der Fliese" wurden Fliesen aus Mettlach, im Besonderen auch verschiedene Fliesentableaus nach den Entwürfen von Philipp Baum nicht nur in der Liebfrauenkirche in Dortmund, sondern auch später in St. Gudula (Baubeginn 1898) in Rhede verlegt. Wie Diakon Heiner Renzel vorab mitteilte, sind trotz umfangreicher Umbaumaßnahmen noch viele Bodenfliesen und Mosaik-Tableaus von Villeroy & Boch im Gegensatz zu den in der Liebfrauenkirche Gott sei Dank noch erhalten.
Fotos aus St. Gudula: Hermann-Josef Heinen
Der Bau wird von Fachleuten als bedeutendstes Exemplar einer neugotische Kirche im Westmünsterland bewertet, auch wegen ihrer vorzüglich dazu passenden, kunsthandwerklich wertvollen neugotischen Innen-ausstattung, die weitgehend erhalten blieb. Auch die großartigen Farbfensterbänder haben den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Neben dem Hauptaltar, den zwei Seitenaltären (Marien- und Josefsaltar) und dem reichverzierten Chorgestühl haben sich von der Originalausstattung unter anderem noch zahlreiche Skulpturen, die Beichtstühle, die prachtvolle, aus Eichenholz geschnitzte Kanzel erhalten.
Der Kirchenraum wurde in den 60er Jahren umgebaut. Im Zentrum wurde ein neuer Altarraum auf einer das Oktogon aufgreifenden achteckigen Altarinsel mit Altartisch und Ambo aus weißem Carrara-Marmor gebildet.
Wie auf dem Foto erkennbar, wurden hierbei allerdings neue "moderne" Bodenfliesen verlegt. Immerhin wurden die besonderen Bildmotive von Villeroy und Boch weiterhin verwendet und an anderer Stelle verlegt.
Leider ist beim Verlegen des Fliesentableaus "St. Georg" - wie auch in anderen Kirchen - ein Missgeschick passiert: Zwei umrandende Textfliesen sind hiebei vertauscht worden
Detail-Aufnahme: Fliesentableau "St. Georg" - ohne umliegenden Fliesenboden
Fläche zwischen Oktogon und Fläche vor dem Hochaltar
Vor dem Hochaltar ist eine eine große Fläche mit Mosaik-Fliesen von Villeroy & Boch verlegt worden.
Detail aus der Fläche: Der Hirsch, der Schlangen zertrampelt, gilt als Bezwinger des Bösen
In den Seitenschiffen findet sich weitere Motive mit dem Hirsch, umrandet mit Mosaiken von Villeroy & Boch.
An der Ecken der Fläche vor dem Hochaltar finden sich vier kultur- und architekturgeschichtlich wertvolle Mettlacher Mosaikplatten.
Der Löwe symbolisiert das Element Erde.
Der Adler symbolisiert das Element Luft.
Der Fisch symbolosiert das Element Wasser.
Der Salamander symbol. das Element Feuer
Zur Bedeutung von St. Gudula in Rhede

Pfarrpatronin war von Anbeginn die heilige Gudula aus Brabant/Belgien
(* um 650, + 8.Jan.712). Es ist das einzige Gudula-Patrozinium in Deutschland.
Mit dem heutigen Kirchbau wurde im Jahre 1898 begonnen, der bereits nach dreijähriger Bauzeit vollendet war.
Die Einweihungsfeierlichkeiten fanden am 12. Juni 1901 statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich eine kunstgeschichtliche Wende durchgesetzt, wonach die klassizistische Neubaugestaltung zugunsten der neuen Form "Neugotik" weichen musste. Der Kirchenvorstand beauftragte das in dieser Bauform hervorragend geeignete Architekturbüro Hertel in Münster mit der Planung und Realsisierung des Neubaues. Vorrangig war es Regierungsbaumeister Hilger Hertel der Jüngere, der hier in den Jahren 1898 bis 1901 sein neugotisches Meisterwerk setzte.
Quelle: Pfarre St. Gudula
> Fotos aus der Kirche St. Gudula: Hermann-Josef Heinen
> Weitere Fotos aus St. Gudula in Rhede sehen Sie in einer > Bildergalerie (i.V.)
Vorläufiges Resumee (März 2025)
Von den bislang bekannten 7 Verlege-Orten in Deutschland und in den Niederlanden ist bereits Dortmund durch Kriegseinwirkung ausgeschieden.
ursprünglich verlegten
Zudem sind die eigentlich zusammengehörigen Fliesentableaus "St. Georg" (No. 516) und "Papstwappen" (No. 517) noch seltener zusammen in einer Kirche zu finden.
in Deutschland:
- In der Liebfrauenkirche in Dortmund sind beide Motive zerstört,
- in der Kapelle St. Anna in Haltern am See sind beide Motive gut erhalten.
- in der Kirche St. Gudula in Rhede ist nur "St.Georg" vorhanden.
- In der Kreuzerhöhungsbasilika in Raalte sind beide Motive vorhanden. Das "Papstwappen" ist zweifach verlegt worden.
- Aus der zerstörten Kirche Petrus und Paulus in Hengevelde sind beide Motive dank des Pfarrers gerettet worden und haben 1953 im Neubau der Kirche ihren Platz gefunden. Hier fehlt noch ein eigener Foto-Nachweis.
- In der Kirche St. Michael in Schalkwijk ist nur "St. Georg" vorhanden, ebenso in St. Antonius in Kortenhoef. Auch dort fehlt noch ein Foto-Nachweis.
Die beiden zusammengehörigen "St. Georg" und "Papstwappen" sind nur in 4 Kirchen zu finden: außer in der Kirche St. Rochus in Rath-Anhoven, in der Annaberg-Kapelle bei Haltern an See und in der Kreuzerhöhungsbasilika in Raalte (NL) vorhanden sowie, allerdings ohne Umrandung, in der Kirche Petrus und Paulus in Hengevelde (NL).
Als Einzelmotiv ist "St. Georg" in 3 Kirchen zu sehen: in Rhede, in Schalkwijk und in Kortenhoef zu sehen. Das Motiv "Papstwappen" ist als Einzelmotiv vermutlich in keiner Kirche verlegt worden.
Trotz aller Recherchen konnte letztlich nicht die Frage geklärt werden, warum und wann derart selten verlegte Bildplatten der Mosaik-Fabrik Villeroy & Boch in der Pfarrkirche, der heutigen Filialkirche "St. Rochus" in Rath-Anhoven verlegt worden sind.
Quellen
- mündliche Informationen von Johannes Wyen aus Rath-Anhoven
- Wilhelm Joliet aus Königswinter für seine Auskünfte zu seiner umfangreichen Sammlung in "Die Geschichte der Fliese".
- Dr. Christa Grund, V&B Museum
- Frau Strotmeier, Liebfrauenkirche in Dortmund
- Diakon Heiner Renzel, St. Gudula in Rhede
- Jan G.M. Put, Vicevoorzitter/secretaris parochiebestuur Heilige Geestparochie, Heldefelde, NL
- Angelika Füßner, Pfarre St. Sixtus, Haltern am See
- Dr. Oliver Karnau, LWL Denkmalpflege
Historischer Verein Wegberg e.V. - 18.02.2021 - Letzte Änderung: 19.02.2025
