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Sonntag, 04.10.2026
Archäologietour Nordeifel 2026
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Am Sonntag, den 4. Oktober 2026, veranstaltete das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, die Nordeifel Tourismus GmbH und die Kommunen im Kreis Euskirchen die 19. Archäologietour Nordeifel. Zwischen 10 und 18 Uhr konnten fünf Stationen besucht werden, an denen Bodendenkmäler von Fachleuten aus Archäologie, Paläontologie und Geschichte vorgestellt werden.
Folgende fünf Stationen standen 2026 auf dem Programm:
- Unerwartetes unterm Bolzplatz bei Burg Blankenheim
- Eiskaltes im Felsenkeller bei Bad Münstereifel
- Uraltes Leben im Steinbruch bei Mechernich-Berg
- Wasserleitung auf Reise in Kall
- Geheimnisvolle Befestigung bei Euskirchen-Flamersheim
Die diesjährige Archäologietour Nordeifel fand bei herrlichem, spätsommerlichen Wetter statt und startete wie in letzten Jahren am Bahnhof in Mechernich (siehe Marker A in der folgenden interaktiven Karte).
Auf dieser interaktiven Karte sehen Sie die 5 Stationen (Marker B bis F) der diesjährigen Archäologietour sowie beispielhaft die Route, die Bus 2 ab dem Startpunkt Mechernich (A) zu den Stationen und wieder zurück nach Mechernich gefahren ist.
Um mehr über die dortigen Stationen zu erfahren, bitte die Marker (B bis F) anklicken und die Kurz-Information lesen.
Ausführlichere Informationen finden Sie in den folgenden Beschreibungen zu den fünf Stationen. (s. Liste mit den seiteninternen Links)
Eine weitere Auswahl von Fotos von der Archäologietour 2026 sehen Sie in einer
> Bildergalerie. Hierbei können Sie in den Vollbild-Modus schalten.
Seiterninterne Links:
Station 1 (B)
Römische Befestigung bei Euskirchen-Flamersheim
Burgus Flamersheim - Burgus „Alte Burg“
Im Flamersheimer Wald an der Speckelsteiner Allee findet sich ein römischer burgus, eine turmartige Kleinbefestigung der Spätantike, der Teil einer römischen Siedlung war. Besonders bemerkenswert: Hier im Wald hat sich die kleine, rechteckige Anlage aus Wall und Graben im Relief deutlich sichtbar erhalten!

Der burgus „Alte Burg“ lag am römischen Straßenabschnitt zwischen Rheinbach und Billig ( und damit an der wichtigen Route vom Legionslager Bonn am Rhein ins Innere Galliens. Er wurde sicherlich als private Befestigung in der Nähe des Hauptgebäudes eines römischen Landgutes (villa rustica) erbaut. Die rechteckige Innenfläche von etwa 35 mal 45 Meter wird von einem 10 Meter breiten Graben geschützt, der im Grundriss die für die römische Bauweise typischen gerundeten Ecken aufweist. Der Grabenaushub wurde im Inneren als Wall aufgeschüttet und zeigt im Süden eine Unterbrechung, möglicherweise der Zugang. Die vielen Werksteine und Mörtelreste vor Ort deuten auf eine geschlossene Steinmauer auf dem Wall hin. Der zentrale Bau im Inneren könnte dagegen eher aus Fachwerk bestanden haben. Dieses turmartige Gebäude diente im Untergeschoss als Getreidespeicher. Der Fundplatz ist bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt und verdankt seine gute Erhaltung der Lage im Wald.

Betreuung vor Ort: Michael Drechsler M.A. und Dipl.-Math. Irmela Herzog, u.v.a.
Quellen:
Text: „Römische Befestigung bei Euskirchen-Flamersheim“.
In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360515 (Abgerufen: 15.Oktober 2026)
Fotos: Hermann-Josef Heinen / HVW
Station 2 (C)
Felsenkeller der Brauerei Hendrichs im Radberg bei Bad Münstereifel
Mitte des 19. Jahrhunderts legte man am Radberg bei Bad Münstereifel einen großen Eiskeller zur Kühlung von Bier an und machte sich dabei einen schon vorhandenen Stollen zunutze. Darin hatte man im 18. Jahrhundert vergeblich nach Steinkohle geschürft. Dieser Felsenkeller diente bis zum Zweiten Weltkrieg zur Lagerung von Eis und Gerätschaften, man nutzte ihn anschließend als Luftschutzkeller, für die Champignonzucht und teilweise sogar als Autowerkstatt.

Die Geschichte des Eiskellers der Brauerei Hendrichs am Radberg Laurenz Hendrichs und sein Schwager Jacob Dürnagel betrieben 1819 zwei der insgesamt neun Brauereien in Bad Münstereifel. Aufgrund gestiegener Nachfrage und aufgehobener Zollschranken konnten Mitte des 19. Jahrhunderts das Absatzgebiet der
Brauerei deutlich erweitert und dementsprechend die Produktion gesteigert werden. Zur Kühlung des Bieres wurden zur damaligen Zeit noch Eiskeller benötigt, weshalb das Grundstück am Radberg zur Anlegung eines Bierkellers und einer Brauerei erworben werde sollte. Dort hatte bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts Dionysius Reihnardts erfolglos nach Steinkohle schürfen lassen. Eine Vergrößerung des bereits vorhandenen Stollens zur Bierlagerung war also naheliegend.
Am 19. Juli 1856 schloss Hubert Hendrichs, der Sohn von Laurenz Hendrichs den Kaufvertrag mit seiner Unterschrift ab und erwarb das 596 Quadratmeter große Areal zu einem Preis von 20 Talern, die er an die Gemeindekasse entrichtete. Offenbar aufgrund anhaltender Produktionssteigerung kaufte Hendrichs bereits 1871 eine weitere Fläche von der Gemeinde am Radberg, um den Felsenkeller zu vergrößern. Am 26. August 1883 reichte er ein Baugesuch an Bürgermeister Roth zur Erweiterung des Eiskellers und zur Anlage eines Gärraumes auf diesem Grundstück ein.


Quellen:
Text: „Felsenkeller der Brauerei Hendrichs im Radberg bei Bad Münstereifel“. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360430 (Abgerufen: 15. Oktober 2026)
Fotos: Hermann-Josef Heinen / HVW
Station 3 (D):
Barockgarten der Burg Blankenheim
Die Wiesen bei Burg Blankenheim sind heute ein willkommener Spiel- und Bolzplatz der Jugendherberge Blankenheim. Was man auf den ersten Blick nicht mehr sieht, macht moderne Technik sichtbar: Im 18. Jahrhundert erstreckte sich hier über mehrere
Terrassen ein Barockgarten mit Fontäne, gespeist vom Wasser der spätmittelalterlichen Tiergartentunnel-Leitung. Doch selbst bauliche Reste lassen sich mit geschultem Auge auch heute noch im Gelände erkennen.

1997 wurde an der Burg Blankenheim eine Fernwasserleitung wiederentdeckt, die den früheren Adelssitz ab dem späten Mittelalter mit frischem Trinkwasser versorgte. Ausgehend von der „Alten Quelle“ durchquerte die insgesamt rund 800 Meter lange Leitung ein 13 Meter tiefes Tal und führte anschließend in einem 150 Meter langen Tunnel durch einen Berg, auf dem sich der Tiergarten befand. Da der Höhenunterschied zwischen der „Alten Quelle“ und der Burg relativ gering war, musste für die Wasserleitung eine möglichst kurze Trasse ausgebaut werden. Dies erforderte einen technisch komplexen Leitungsbau. Die Leitung bestand aus hölzernen Wasserleitungsrohren, sogenannten Deicheln. Die dendrochronologische Untersuchung eines Leitungsstücks ergab ein Fälldatum des Baumes im Winter 1468/69. Den ersten Leitungsabschnitt durch das Tal konzipierte der Baumeister nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren als sog. Druckleitung. Daran schloss ein rund 80 m langer Zulaufgraben an, der in den Tiergartentunnel mündete. Zulaufgraben und Tunnel hatten ein durchschnittliches Gefälle von 1,56 Prozent.

Der Bau dieses Tunnels war in sechs Abschnitten durchgeführt worden - von den beiden Tunnelmundlöchern und fünf zwischen ihnen liegenden Bauschächten aus (sogenannte Qanatbauweise). Das südliche, zur Burg hin gelegene Tunnelmundloch wurde rekonstruiert und dient heute als Zugang. Im Anschluss an die Tunnelstrecke mündete die Wasserleitung in einem geräumigen Wasserbehälter mit
einem Fassungsvermögen von 80 Kubikmetern. Er stammt vermutlich aus der Barockzeit und diente als Wasserzwischenspeicher. Die Wasserleitung mit Druckleitungsstrecke und Tunnel ist ein einzigartiges Technik-Denkmal in Europa, das der Tiergartentunnel-Wanderweg erschließt.

Betreuung vor Ort: Dr. Leo Klinke und Dr. Ing. Ilona K. Dudzinski, u.v.a
Quellen:
Text: „Felsenkeller der Brauerei Hendrichs im Radberg bei Bad Münstereifel“.
In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360430
(Abgerufen: 15. Oktober 2026)
Fotos: Hermann-Josef Heinen /HVW
Station 4 (E):
Römische Wasserleitung vor dem Bahnhof in Kall
Die Wasserleitung aus der Eifel nach Köln ist der größte antike Technikbau nördlich der Alpen. Als eines der populärsten Bodendenkmäler des Rheinlandes ist sie entlang des Römerkanal-Wanderweges noch heute vielfältig erlebbar. Im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. stellte der 95,4 Kilometer lange Aquädukt über mindestens 190 Jahre die Wasserversorgung der niedergermanischen Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) sicher. Er ersetzte die seit 30 nach Christus
bestehenden Vorgebirgsleitungen und versorgte die Stadt täglich mit 20 Millionen Litern besten Trinkwassers aus der „Sötenicher Kalkmulde“ bei Kall, einer geologischen Muldenstruktur in der Nordeifel.

Planung, Trassierung und Ausführung sind Glanzleistungen antiker Ingenieurskunst. Die Leitung überwand auf ihrer Strecke einen Höhenunterschied von rund 350 Metern sowie alle natürlichen Hindernisse. Als Freispiegelleitung war sie dazu in ihrem Verlauf an das Geländerelief angepasst und wies ein wechselndes Gefälle zwischen 0,1 Prozent und 4,5 Prozent auf.

Auf dem großzügigen, neu gestalteten Vorplatz am Bahnhof Kall wurde ein Teilstück der römischen Wasserleitung aus der Eifel nach Köln aufgestellt.

Beeindruckend war die Vielfalt an Info- und Spielständen des LVR-ABR, die zum Mitmachen einluden.

Betreuung vor Ort: Tabea Borrmann und Sabine Hermesdorff, u.v.a
Quellen:
Texte: „Römische Wasserleitung vor dem Bahnhof in Kall“. In: KuLaDig,
Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360429 (Abgerufen: 15. Oktober 2026
Fotos: Hermann-Josef Heinen /HVW
Station 5 (F):
Steinbruch und Fossilien am Bürvenicher Berg bei Berg
Das tief eingeschnittene Kerbtal des Bergbachs und die benachbarten Kalkkuppen des Tötschbergs (284 Meter über Normalnull) und des Bürvenicher Bergs (301 Meter über Normalnull) sind die prägenden Elemente dieses Gebiets in der Mechernicher Voreifel. Die markanten Höhenzüge bestehen aus Gesteinsschichten des Oberen Muschelkalks der mittleren Triaszeit vor 240 Millionen Jahren. Darin eingeschlossen befinden sich unscheinbare Fossilien, aus denen Fachleute Rückschlüsse auf die damalige Umwelt ziehen können.

Um die Geologie des Steinbruchs in Mechernich-Berg und die Besonderheit der Gegend zu verstehen, hilft ein Blick auf die geologische Karte des Rheinlandes. Die Niederrheinische Bucht zeigt vor allem Sedimente aus den jüngeren Zeitaltern: Quartär, Neogen und Paläogen. Das Rheinische Schiefergebirge, bestehend aus der Eifel und dem Bergischen Land, ist geprägt von Gesteinen des Erdaltertums (Paläozoikum). Gesteine des Mesozoikums sind im Rheinland an der Oberfläche eine Seltenheit; somit bietet die Mechernicher Triassenke wertvolle Einblicke in das Erdmittelalter. Zur Zeit der Trias (252-201 Mio. Jahre) befand sich der Raum um Mechernich in einer Senke am Westrand der Rheinischen Masse. Die 1834 von Friedrich von Alberti (1795-1878) benannte Trias ist in Deutschland durch eine Dreiteilung charakterisiert, von der sich auch ihr Name ableitet. Der Unterste Abschnitt der Trias, der Buntsandstein, besteht hauptsächlich aus Abtragungsprodukten des umgebenden Festlandes: Kiese, Sande und Schluffe, welche durch Flüsse in nördliche Richtung transportiert wurden. Die rötlich bunte Farbe des Buntsandsteins wird durch die enthaltenen Eisenoxide gesteuert und erlaubt Rückschlüsse auf die Paläoumwelt (terrestrische, wüstenähnliche Bedingungen). Die Sedimentation in der Mechernicher Senke begann im Mittleren Buntsandstein, gebildet wurden Sandsteine und Konglomerate. Der Mittlere Bundsandstein bildet wegen seiner Festigkeit massive Felswände und beeindruckenden Aufschlüssen im Rurtal, zum Beispiel unterhalb der Burg Nideggen. Obwohl im Oberen Buntsandstein weiterhin Sedimente über Flüsse nach Norden transportiert wurden, hat der Sedimenteintrag deutlich nachgelassen und wurde von feinkörnigeren Sedimenten (Mittelsand bis Schluff) dominiert. Die rote Färbung der Sedimente blieb jedoch bestehen.

Betreuung vor Ort: Jelle Heijne M.Sc. und Dr. Philipp Schulte, u.v.a.
Quellen:
Texte: „Steinbruch und Fossilien am Bürvenicher Berg bei Berg“. In: KuLaDig,
Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-360451 (Abgerufen: 15. Oktober 2026
Fotos: Hermann-Josef Heinen / HVW
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Rückblick auf die Archäologietouren der vergangenen Jahre
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Historischer Verein Wegberg e.V. - 04.10.2026 - Letzte Änderung: 10.10.2026