"Tag der Archäologie 2018" des LVR-ABR - Fotobericht von Hermann-Josef Heinen - Teil 2 - Historischer Verein Wegberg

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Samstag, 02.06.2018 - Titz-Höllen
Tag der Archäologie des LVR


Teil 2: Ausstellung von Funden und Befunden aus mehreren Grabungen auf dem Gelände der Außenstelle Titz-Höllen

Beim Tag der Archäologie wurden auf dem Gelände der LVR-Außenstelle in Titz-Höllen neue archäologische Funde und Befunde aus dem Rheinischen Braunkohlenrevier vorgestellt.

Dr. Udo Geilenbrügge, Leiter der Außenstelle Titz, mit einer Besuchergruppe in der Ausstellungshalle


Bauteile aus der Kirche Immerath

Für die Region Erkelenz von besonderem Interesse waren die Funde vom Grabungsbeginn an der Immerather Kirche. Erstmals wurden Bauteile von der letzten und der vorletzten Kirche von Erkelenz-Immerath, dem sogenannten Immerather Dom, gezeigt. Die Kirche war im Januar 2018 unter großem Medieninteresse abgerissen worden.

Während des Abbruchs konnten einige Bauteile des Kirchenbaus neoromanischen Stiles aus dem späten 19. Jh. geborgen werden. Gezeigt wurden zwei bemalte Kapitelle aus Tuffstein aus dem Inneren der Kirche und eine kleine Sandsteinsäule mit aufwendiger Bemalung (Teilvergoldung, geometrische Muster) im Stile des Historismus. Hierzu gehörten auch Teile eines bunten Rosettenfensters.

im Vordergrund: der Chor-Schlussstein der Vorgängerkirche, der nach dem Abriss des Immerather Doms unter dem Schutt gefunden wurde, im Hintergrund: ein Türsturz aus dem 17. Jahrhundert.

In einer Vitrine war ein Glaszylinder ausgestellt, der im Grundstein des Neubaus von 1888 im Mauerwerk vorgefunden wurde. Die einst vorhandene Urkunde war nicht mehr vorhanden. Sie war auf empfindlichen Pergament geschrieben.

Dr. Alfred Schuler mit einem Besucher vor der Vitrine mit der Dokumentation über den Grundstein der alten Kirche.

Ausstellungsvitrine mit dem Inhalt des Grundstein der Immerather Kirche von 1888

Dr. Alfred Schuler erläutert einer Besucherin den vorläufigen Ausgrabungsplan der Kirche Immerath

Schon vor dem Abbruch waren einige Segmente des Kirchenfußbodens aus Steinzeugfliesen durch die Fa. F.-J. Peters (Erkelenz) ausgebaut und somit gerettet worden. Verlegt wurde hier 1891 ein Schmuckfußboden, zusammengestellt aus Motiven von sog. Mettlacher Platten der Firma Villeroy & Boch aus dem Saarland.

Fußbodenplatten von Villeroy & Boch von 1891
und Säulenteile mit Resten der originalen historistischen Farbfassung


Das Torhaus von Haus Palant

Kurz vor Beendigung der Grabung an Haus Palant konnten die Reste eines Torhauses mit Zugbrücke freigelegt und erforscht werden. Mit der Herstellung eines Modells wurde von Denis und Jozef Franzen ein Rekonstruktionsversuch gewagt. Das Modell zeigt das Torhaus mit Zugbrücke kurz nach den Überfällen im Jahr 1586.

Haus Palant, Rekonstruktion durch Denis und Jozef Franzen


Spannender Endspurt beim Römischen Gutshof in Borschemich

Nach dem Abschluss der Grabungsarbeiten an der villa rustica bei Borschemich konnte Jozef Franzen noch zwei weitere interessante Funde vorstellen.
Dies ist zum einen die Dokumentation über das Wohnwirtschaftsgebäude. Mit seiner 30 m Länge und 15 m Breite stellt dieser aus Stein gebaute Komplex eine Seltenheit dar. Das Gebäude beinhaltet eine 5 x 10 m große Darrenanlage. Da im Umfeld mehrere Fragmente von großen Mahlsteinen gefunden wurden, wurde also Getreide für die weitere Nutzung und den Konsum aufbereitet.

Zum anderen war dies eine Getreideschwinge, die in einem der neun Brunnen des römischen Gutshofes vorgefunden wurde. Bereits 2015 waren die Brunnen erfasst worden und konnten bis zu einer Tiefe von 4 m freigelegt werden. Erst Anfang Juli 2017 konnte die Untersuchung weitergehen. Bei der Freilegung nehmen die Schaufelbaggerführer i.d.R. große Rücksicht; jedoch gleicht ein römischer Brunnen einem Stecknadelkopf in der riesigen Baggerkante.
Brunnengrabungen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass die Schächte in der Antike gern zur Entsorgung von Hausmüll, Bauschutt, Architekturteilen sowie beispielsweise Fragmenten von mutwillig zerstörten Jupitersäulen genutzt wurden.
Im Brunnengrund wurde Flechtwerk sichtbar. Hierbei handelte es sich um eine Kornschwinge mit deren Hilfe man "die Spreu vom Weizen" trennte. Das Grabungsteam war sich darüber im Klaren, dass es sich um eine höchst interessante Entdeckung handelte, da eine ebenfalls in einem Brunnenschacht vorgefundene, fast ähnliche, römische Getreideschwinge im Tagebau Garzweiler sogar als "Jahrhundertfund" bezeichnet wurde.
Trotz aller Bedenken und Probleme wurde eine Blockbergung der Schwinge versucht. Das Objekt wurde erfolgreich von der ersten Sohle des Tagebaus über die Baggerkantenrampe nach oben transportiert, dann zur Außenstelle und anschließend in die Restaurationswerkstatt nach Bonn.
Die weitere Untersuchung im Brunnenschacht ergab, dass es im Brunnengrund einen Sandeinbruch gegeben haben muss, der mit der ausgedienten Kornschwinge erfolgreich eingedämmt werden konnte. Der Brunnen konnte so weiterhin in Gebrauch bleiben.

Die im Brunnenschacht vorgefundene Getreideschwinge

Rekonstruktion der Getreideschwinge durch Jozef Franzen


Keramik- und Glasgefäße aus dem Tagebau Inden

Die wichtigsten und schönsten Stücke in der Präsentation waren die Funde aus der mittlerweile abgeschlossenen Ausgrabung bei Inden-Vilvenich. Es handelt sich dabei um ein Gräberfeld mit 22 Bestattungen aus der Endphase der römischen Kultur (4. bis 5. Jh. n. Chr.). Dass im ländlichen Raum ein Gräberfeld komplett freigelegt werden konnte, ist eine Seltenheit. Es erstreckte sich über 80 Meter von Nordost nach Südwest, wobei sich die meisten Grabgruben ebenfalls an dieser Ausrichtung orientierten. Die Verstorbenen lagen teils in über zwei Meter Tiefe in einem Sarg. In manchen Fällen haben sich neben wenigen Teilen von Kleidungsstücken auch noch mit Eisennägeln beschlagene Schuhe erhalten.

Ein Grab aus Vilvenich verdient besondere Aufmerksamkeit. Seine opulenten Beigaben in Form zahlreicher Keramik- und Glasgefäße (Plakatmotiv) sollten im Jenseits für üppige Tafelfreuden dienen. Gefunden wurden in diesem Grab auch Bronzeschmuck und eine Glasperlenkette. Die Beigaben lagen geschützt in drei seitlich in den Grabschacht ausgehöhlten Nischen. Die kunstvoll hergestellten Beigaben in den Nischen waren für antike Grabräuber vermutlich schwieriger zu finden oder weniger interessant. Ein Glücksfall für den heutigen Betrachter.

Die beiden Fotos zeigen die Glasgefäße als Fund des Monats 2018 im LandesMuseum Bonn.

Erneut präsentiert wurden auch Urnen und Beigaben aus dem großen früheisenzeitlichen Gräberfeld von Inden mit über 650 Bestattungen aus dem 8. bis 6. Jh. v. Chr. Es ist in dieser Geschlossenheit das größte früheisenzeitliche Gräberfeld im Rheinland.


Vorstellung von Forschungsprojekten der Archäologie-Stiftung:


Absolventen, die ihre Abschlussarbeiten mit einem Stipendium der Archäologie-Stiftung erstellten, präsentierten ihre aktuellen Promotions- und Masterarbeiten – mit Themen von der ältesten Steinzeit bis zur frühen Neuzeit.
Beispielhaft sind hier das "Pier-Projekt" zu nennen, welches von der Universität Bonn gemeinsam mit der Außenstelle Titz von 2011 bis 2017 realisiert wurde. Dr. Timo Bremer informierte über die "Merowingerzeit in Inden-Pier". Im Rahmen des Projektes wurden mehrere Siedlungen aus dieser Epoche entdeckt.
Ellen Igelmund berichtete über das "Merowingerzeitliche Gräberfeld von Verken". Insgesamt konnten 51 Bestattungen geborgen werden.
Laura Winck berichtete, dass einige dieser Bestattungen Spuren von nachträglichen Graböffnungen aufwiesen.


Handwerk und Bauernleben in der Hofanlage aus der Eisenzeit

Die im Rheinland einzigartige eisenzeitliche Hofanlage mit den markanten strohgedeckten Häusern im Freigelände der Außenstelle Titz wurde durch Vorführungen für Groß und Klein belebt. Hier konnte man alte Handwerkstechniken und das Leben auf einem Bauernhof rund 800 bis 500 Jahre v. Chr. nachempfinden.


.. and last but not least: die kulinarischen Genüsse

Kulinarische Genüsse aus der Römerzeit: Rindfleisch mit Porree und Birnen und Zwiebeln und Fenchel („Bubula cum porris et piris et caepis et feniculis“) sowie moderne Speisen und Getränke

Quellen:

  • Pressemitteilungen des LVR-ABR vom 29. Mai 2018:

"Spannende Ausgrabungen im rheinischen Braunkohlenrevier - Tag der Archäologie zum 25. Mal mit Fahrten zu einer Ausgrabung und einem buntem Programm"


sowie die vor Ort gezeigten Infotafeln der Außenstelle Titz des LVR-ABR:

  • "Ausgrabungsbeginn an der Pfarrkirche St. Lambertus in Erkelenz-Immerath(alt)"

  • "Der neoromanische Kirchenbau von St. Lambertus in Erkelenz-Immerath, Bauaufnahme vor dem Abbruch"

  • "Das Torhaus von Haus Palant in Erkelenz bei Borschemich", Denis Franzen und Jozef Franzen

  • "Spannender Endspurt beim Römischen Gutshof in Borschemich", Denis Franzen und Jozef Franzen

  • "Die Getreideschwinge", Denis Franzen und Jozef Franzen


Fotos, alls nicht anders angegeben: Hermann-Josef Heinen

 


Lesen Sie auch den
> 1. Teil des Fotoberichts
Grabung im Vorfeld des Tagebaus Garzweiler

 
 

Historischer Verein Wegberg e.V. - 02.06.2018 - Letzte Änderung: 18.06.2018

 
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